Du rollst über eine flache Kante aus Sand, und plötzlich liegt unter dir ein breites, offenes Tal. Ganz hinten glänzt eine dunkle Fläche wie ein See. Das ist das Deception Valley, ein ausgetrocknetes Flussbett im Norden des Central-Kalahari-Game-Reserve in Botswana. Wasser steht dort nicht. Der dunkle Lehm der Deception Pan und die flimmernde Luft über ihm machen dir etwas vor, und genau daher hat das Tal seinen Namen.
Vom Matswere Gate sind es rund 40 Kilometer Sandpiste bis zu den Stellplätzen am Talrand. Rechne mit eineinhalb bis drei Stunden, je nachdem, wie tief der Sand ist. Für viele, die selbst fahren, ist das Tal die erste Station im Reservat, und mehr als ein paar andere Fahrzeuge triffst du hier selten.
Was du siehst, entscheidet der Regen. Von Dezember bis April treibt auf dem Talboden frisches Gras. Dann grasen dort Springböcke, Oryx und Gnus, und Löwen und Geparden folgen ihnen. In der Trockenzeit verteilen sich die Herden in den Dünen, und das Tal wirkt blass und leer. Im September und Oktober wird es dazu richtig heiß.
Berühmt gemacht haben das Tal Mark und Delia Owens. Die beiden jungen Zoologen aus den USA zogen 1974 hierher und lebten sieben Jahre in einem Zeltlager, um Löwen und Braune Hyänen zu beobachten. 1984 erschien ihr Buch Cry of the Kalahari. Wer es gelesen hat, fährt mit diesen Bildern im Kopf durch das Tal.
Übernachtet wird einfach: sechs Stellplätze der Reihe Deception und vier der Reihe Kori, alle von der Parkbehörde. Zu jedem gehören ein Plumpsklo, eine Eimerdusche und eine Feuerstelle. Wasser, Strom und Feuerholz bringst du selbst mit. Und abends, wenn das Feuer brennt, hörst du vielleicht, wovon das Buch erzählt.