Du sitzt am Abend vor deinem Zelt, und in der ganzen Senke vor dir ist kein anderes Auto zu sehen. Das ist das Passarge Valley: ein fossiles Flusstal im Nordwesten des Central-Kalahari-Game-Reserve in Botswana, rund 40 Kilometer Piste nordwestlich von Deception Valley. Wasser fließt hier seit langer Zeit keines mehr. Geblieben ist eine lange, flache Rinne im Sand, in der nach dem Regen frisches Gras wächst.
Das Tal ist hügeliger und dichter bewachsen als der offene Boden von Deception Valley. Zwischen den Büschen öffnen sich Grasflächen, auf denen Oryx und Springböcke äsen. Mit den Herden kommen die Jäger: Löwen, Geparde und Braune Hyänen. Mit etwas Glück läuft dir ein Löffelhund über den Weg, und am Rand der Piste schreitet eine Riesentrappe durchs Gras, einer der schwersten flugfähigen Vögel der Welt.
Im ganzen Tal gibt es nur drei Stellplätze, 12 bis 19 Kilometer voneinander entfernt. Platz 2 liegt leicht erhöht mit Blick über das Tal, Platz 1 versteckt im Schatten, Platz 3 am westlichen Talrand. Du hast ein Plumpsklo, eine Eimerdusche und eine Feuerstelle, sonst nichts. Wasser und Feuerholz bringst du selbst mit. Ein privater Anbieter verwaltet die Plätze, deshalb kosten sie deutlich mehr als die Plätze der Parkbehörde.
Am schönsten ist das Passarge Valley in der Regenzeit. Von Januar bis April wird das Gras grün, und die Herden ziehen in die Täler. Dann kann der Lehm an den Pfannen aber zur Rutschbahn werden. Im Februar 2025 standen Abschnitte im Passarge Valley unter Wasser, und das ganze Reservat war drei Wochen geschlossen. In der Trockenzeit fährt es sich leichter, dafür verteilen sich die Tiere, und das Wasserloch am Westende wird zum wichtigsten Treffpunkt.