An den Seen Katavi und Chada hält dein Wagen im Oktober am Rand eines Beckens, das kaum größer ist als ein Fußballfeld. Darin liegt kaum noch Wasser, sondern ein grauer Teppich aus Rücken: Die Seen sind zu Schlammlöchern geschrumpft, und die Flusspferde drängen sich Körper an Körper. Einer gähnt und zeigt seine Hauer, zwei Bullen schieben sich schnaubend aneinander vorbei, und über allem liegt ein Geruch, den dir kein Prospekt verrät.
Katavi und Chada sind Schwemmebenen im Katavi-Nationalpark im Westen Tansanias, keine Seen, auf die du dich das ganze Jahr verlassen kannst. In der Regenzeit von November bis Mai füllt sie der Katuma, und die Ebenen stehen unter Wasser, voller Wasservögel. Ab Juni zieht sich das Wasser zurück, erst bleibt Sumpf, dann eine aufgerissene Tonpfanne mit ein paar Restbecken. Lake Katavi liegt im Nordwesten des Parks, Chada rund 40 Kilometer weiter südöstlich, gut 10 Kilometer östlich der Landepiste Ikuu. Dazwischen erstreckt sich die Katisunga-Ebene, und zusammen mit Ngolema sind das die Stellen, an denen sich im Park fast alles abspielt.
Je weniger Wasser bleibt, desto enger rücken die Tiere zusammen. Am dichtesten wird es von Juli bis Oktober, im September und Oktober am meisten. Dann liegen in einem einzigen Becken mehr als 200 Flusspferde, Büffel ziehen in Herden von Tausenden zum Trinken, und die Krokodile graben sich Höhlen in die Uferböschung. Manchmal laufen Flusspferde sogar tagsüber über die Ebene, weil im Becken kein Platz mehr ist.
Dass das Wasser so knapp wird, liegt nicht nur am Wetter. Flussaufwärts zweigen Bauern Wasser aus dem Katuma für ihre Reisfelder ab, und der Fluss fiel dadurch bis zu vier Monate im Jahr trocken. Seit im Jahr 2016 insgesamt 46 illegale Wehre abgerissen wurden, sind es zwei Monate weniger. Welche Ebene du siehst, entscheidet übrigens dein Camp: Die Ebenen liegen so weit auseinander, dass du an einem Vormittag nur eine schaffst.