Kulturstätte · Highlight
Die Olduvai-Schlucht
auch: Olduvai Gorge · Oldupai Gorge
Du stehst am Rand einer Schlucht, und unter dir liegen zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte.
Eine archäologische Stätte im Ngorongoro-Schutzgebiet, nicht im Nationalpark, mit einem Museum voller Funde aus der Schlucht selbst. Sie liegt sechs Kilometer abseits der Hauptstraße zwischen Krater und Serengeti, hat eine eigene Eintrittsgebühr und lässt sich gut in die Anfahrt einbauen.
- Besuchsdauer
- 1 bis 2 Stunden
- Trubel
- 4 von 5
- Beste Reisezeit
- Jan–Feb, Jun–Okt
- Nächstes Tor
- Naabi Hill, 43 km Luftlinie
Foto: Noel Feans, CC BY 2.0
Foto: D. Gordon E. Robertson, CC BY-SA 3.0
Foto: Wegmann, CC BY-SA 3.0 Du trittst unter das Dach der Aussichtsplattform, und vor dir fällt das Land ab: rote und hellgraue Hänge, Buschwerk, mittendrin ein frei stehender Felsblock, der aussieht wie eine Torte aus Gestein. Das ist die Olduvai-Schlucht, 48 Kilometer lang und bis zu 90 Meter tief, und jede Schicht in diesen Hängen ist ein Kapitel der Menschheitsgeschichte. Sie liegt im Ngorongoro-Schutzgebiet, nicht im Serengeti-Nationalpark, rund fünf bis sechs Kilometer Piste abseits der Hauptstraße zwischen Krater und Serengeti.
Hier unten hat Mary Leakey 1959 den Schädel gefunden, den man heute Nussknacker-Mensch nennt: rund 1,8 Millionen Jahre alt, mit riesigen Backenzähnen. Ein Jahr später entdeckte ihr Sohn Jonathan die Knochen, nach denen die Forscher 1964 eine neue Art benannten, den Homo habilis, den „geschickten Menschen“. Und die einfachen Steinwerkzeuge aus der Schlucht gaben der ältesten Werkzeugkultur der Welt ihren Namen: Oldowan.
Im Museum am Rand liegt, was die Schlucht hergegeben hat: Fossilien, Steinwerkzeuge, Knochen ausgestorbener Tiere. Draußen hält ein Kurator eine kurze Einführung, und wenn du mehr willst, fährst du mit einem Führer hinunter zur Fundstelle Zinj, dorthin, wo der Schädel lag. Zehn Minuten Fahrt, dann stehst du zwischen den Schichten, die du eben noch von oben gesehen hast.
Die berühmten Fußspuren von Laetoli, rund 45 Kilometer weiter südlich, siehst du hier nur als Abguss. Die echte Spur liegt zu ihrem Schutz unter der Erde. Dafür gehört dir am Vormittag die Plattform fast allein, bevor mittags die Gruppen auf dem Weg zwischen Krater und Serengeti hier Pause machen.
Darum lohnt sich die Olduvai-Schlucht
- Viele Funde im Museum stammen aus der Schlucht, vor der du stehst. Der Nussknacker-Schädel ist ein Abguss, das Original liegt im Nationalmuseum in Daressalam.
- Die überdachte Plattform über der Schlucht ist ein eigener Grund für den Halt, auch wenn dich die Vitrinen kalt lassen.
- Vom Museum gehen geführte Touren zu Fundstellen, die kein Reiseplan von allein anbietet, von einem Kilometer bis 60.
- Der Halt bricht die lange Fahrt zwischen Krater und Serengeti, mit Toiletten, Laden und Picknickplatz.
Aus Reiseberichten und Foren
Unsere Geheimtipps für die Olduvai-Schlucht
- Du zahlst zweimal, und das überrascht viele am Tor Die Schlucht liegt im Ngorongoro-Schutzgebiet. Zuerst zahlst du die Genehmigung für das Schutzgebiet, rund 60 € für Erwachsene, und an der Schlucht noch einmal rund 30 € Eintritt. Frag deinen Veranstalter vorher, was davon schon in deinem Preis steckt.
- Frag nach dem Abstieg, er steht in keinem Programm Der übliche Halt endet nach Vortrag und Vitrinen. Am Museum kannst du aber eine Führung buchen, die hinunter zur Fundstelle Zinj fährt, rund einen Kilometer entfernt, oder weiter zum Shifting Sand. Der Shifting Sand ist im Eintritt schon drin. Wer nicht fragt, fährt daran vorbei.
- Komm am Vormittag, nicht zur Mittagszeit Olduvai ist der natürliche Mittagshalt zwischen Krater und Serengeti. Dann rollen die Busse an, in den Ausstellungsräumen wird es eng, und am Rand der Schlucht steht die Hitze. Kurz nach 8 Uhr hörst du denselben Vortrag mit viel mehr Luft.
- Die echten Fußspuren von Laetoli bekommst du nicht zu sehen Die rund 3,6 Millionen Jahre alte Spur wurde 1979 zu ihrem Schutz zugeschüttet, Mitte der 1990er Jahre noch einmal freigelegt, konserviert und wieder abgedeckt. Seitdem liegt sie unter der Erde. Im Museum steht ein Abguss eines Teils davon. Wer die echten Abdrücke erwartet, fährt enttäuscht weiter.
- zieht sich die Schlucht durch die Ebene
- 48 km
- tief hat sich das Wasser in alte Seeböden gegraben
- 90 m
- alt ist der Nussknacker-Schädel von 1959
- 1,8 Mio. Jahre
- Eintritt ab 16 Jahren, dazu die Genehmigung fürs Schutzgebiet
- rund 30 €
Lage und Anreise zur Olduvai-Schlucht11
Die Olduvai-Schlucht liegt im Ngorongoro-Schutzgebiet, nicht im Serengeti-Nationalpark: rund 5 bis 6 Kilometer Piste abseits der Hauptstraße zwischen Ngorongoro-Krater und Serengeti und rund 43 Kilometer Luftlinie südöstlich des Parktors Naabi Hill. Museum und Aussichtsplattform stehen am Südrand, dort, wo Haupt- und Seitenschlucht zusammenlaufen.
So kommst du hin
- Abzweig an der Hauptstraße Krater–SerengetiOrt · rund 5 bis 6 km Piste
- Shifting SandOrt · rund 30 Min. Fahrt7,1 km
- Naabi HillTor · rund 43 km Luftlinie43 km
Kilometer in Luftlinie, die Fahrt ist länger.
Beste Reisezeit für die Olduvai-Schlucht
Die Olduvai-Schlucht kannst du das ganze Jahr besuchen, das Museum hat täglich offen. Am schönsten ist es in den trockenen Monaten von Juni bis Oktober und im Januar und Februar. April und Mai sind die nassesten Monate und die schlechteste Zeit für den Abstieg. Von Juni bis Oktober sind oft Grabungsteams in der Schlucht, dann kannst du mit etwas Glück an einer laufenden Ausgrabung vorbeischauen.
Oktober empfohlen
Der Oktober ist eine der besten Reisezeiten für die Olduvai-Schlucht. Im Oktober ist an der Olduvai-Schlucht eher wenig los, gute Chancen also, dass du fast allein bist.
Grabungsteams in der Schlucht Grabungszeit
Monatsmitte, Ortszeit (UTC+3).
Dein Tag an der Olduvai-Schlucht
Hell und dunkel im gewählten Monat, dazu ein Vorschlag für deinen Ablauf.
- 08:00–10:30Um 8 Uhr öffnet das Museum, jetzt ist es noch ruhig. Erst der Vortrag am Rand der Schlucht, dann die Vitrinen.
- 10:30–11:30Mit Führer hinunter: rund 10 Minuten Fahrt in die Schlucht, dann bis zu 20 Minuten an den Fundstellen.
- 11:30–14:00Mittagszeit. Die Gruppen zwischen Krater und Serengeti halten hier, drinnen wird es eng, draußen heiß.
- 14:00–15:30Abstecher zum Shifting Sand: rund 30 Minuten Fahrt, bis zu eine Stunde vor Ort.
- 16:30–17:00Um 17 Uhr schließt das Museum.
- 06:19Sonnenaufgang im Oktober
- 18:29Sonnenuntergang
Grab dich durch zwei Millionen Jahre734510
Die Hänge der Schlucht sind wie ein Buch, dessen erste Seite ganz unten liegt. Zieh den Regler nach unten und schau, wie alt die Erde unter deinen Füßen mit jedem Meter wird.
- Bed IV: Die jüngste der vier großen Schichten. Hier stehst du, wenn du oben am Rand losgräbst.
- Bed III: Die auffällig rote Schicht der Schlucht. Dünn, aber nicht zu übersehen.
- Bed II: Etwa in dieser Zeit beginnen Frühmenschen in Ostafrika, große Faustkeile zu schlagen.
- Bed I: Die tiefste und berühmteste Schicht. Aus ihrer Zeit stammen der Nussknacker-Schädel und die einfachen Geröllwerkzeuge, nach denen die älteste Werkzeugkultur Oldowan heißt.
Vom Zufallsfund zum Nussknacker3456
Ein deutscher Arzt stolpert über die Schlucht, ein Ehepaar gräbt jahrzehntelang darin. So wurde Olduvai zu einem der bekanntesten Fundorte früher Menschen.
- 1911
Ein Deutscher stößt auf die Schlucht
Wilhelm Kattwinkel ist in der Gegend unterwegs, um die Schlafkrankheit zu untersuchen. Dabei stößt er auf die Schlucht.
- 1913
Die erste Grabung
Hans Reck kommt mit einem Team und findet menschliche Knochen. Später zeigt sich: Sie sind nur rund 17.000 Jahre alt.
- 1931
Louis Leakey findet Faustkeile
Kurz nach der Ankunft seiner Expedition liegen die ersten Faustkeile vor dem Lager. Für die Leakeys beginnt eine Arbeit von Jahrzehnten.
- 17. Juli 1959
Der Nussknacker-Schädel
Mary Leakey entdeckt an der Fundstelle FLK einen fast vollständigen Schädel. Er ist rund 1,8 Millionen Jahre alt und bekommt wegen seiner riesigen Zähne den Spitznamen Nussknacker-Mensch.
- 1960
Jonnys Fund
Jonathan Leakey findet Unterkiefer und Schädelteile eines Kindes. Sie werden zum Referenzstück einer neuen Menschenart.
- 1964
Homo habilis bekommt seinen Namen
Louis Leakey, Phillip Tobias und John Napier nennen die Art Homo habilis, den geschickten Menschen. Sie halten ihn für den ersten Werkzeugmacher.
- 1978
Fußspuren in der Asche von Laetoli
Rund 45 Kilometer südlich legt Mary Leakeys Team eine fast 27 Meter lange Fußspur frei. Sie ist rund 3,6 Millionen Jahre alt.
- 2017
Das neue Museum
Die Schutzgebietsbehörde eröffnet am Rand der Schlucht einen Neubau aus Quarzitstein, mit Aussichtsplattform über der Schlucht.
Oldupai, der Ort des wilden Sisals
Der Name kommt aus der Sprache der Massai. Oldupai heißt der wilde Sisal, eine stachelige Pflanze, die in der Gegend wächst. Darum steht heute auf vielen Schildern Oldupai statt Olduvai, und beide Namen meinen denselben Ort.
Gut zu wissen, bevor du aussteigst29
An der Schlucht gelten andere Regeln als im Nationalpark nebenan. Diese drei solltest du kennen, dann läuft der Halt ohne Überraschung.
Hinunter nur mit Führung
In die Schlucht und zu den Fundstellen kommst du nur mit einem Führer vom Museum.
Bargeldlos zahlen
Der Eintritt läuft nur bargeldlos. Nimm eine Karte mit.
Zwei Gebühren
Genehmigung fürs Schutzgebiet und Eintritt der Schlucht sind getrennt. Laetoli kostet noch einmal extra.
Passt die Olduvai-Schlucht zu dir?
Ja, wenn …
- Du willst wissen, woher wir kommen, und nicht nur Tiere zählen.
- Du fährst ohnehin zwischen Krater und Serengeti und suchst einen Halt, der mehr ist als Toilettenpause.
- Du nimmst dir einen halben Tag und fragst nach dem Abstieg in die Schlucht.
Eher nicht, wenn …
- Du erwartest die echten Fußspuren von Laetoli. Die liegen unter der Erde.
- Dir reicht Landschaft durchs Autofenster, Museen langweilen dich.
Die Olduvai-Schlucht in Bildern
Rote Hänge, ein Felsblock wie aus Schichten gebaut und Funde aus zwei Millionen Jahren: So sieht die Olduvai-Schlucht aus.
Hilfreiche Infos zur Olduvai-Schlucht
Was du vor deinem Halt wissen solltest, damit Genehmigung, Abstieg und Pause ohne Überraschung laufen.
Genehmigung
Die Schlucht gehört zum Ngorongoro-Schutzgebiet. Ohne Genehmigung fürs Schutzgebiet kommst du nicht hin, sie gilt für eine Einfahrt und 24 Stunden.
Anfahrt
Von der Hauptstraße zwischen Krater und Serengeti zweigt eine Piste ab, nach rund 5 bis 6 Kilometern bist du am Museum. Die meisten bauen den Halt in die Fahrt zwischen beiden ein.
Kombinieren
Der Shifting Sand, eine wandernde Düne aus Vulkanasche, ist im Eintritt schon drin, rund 30 Minuten Fahrt entfernt. Für Laetoli zahlst du eine eigene Gebühr.
Pause
Am Museum gibt es Toiletten, einen Laden, ein kleines Restaurant und einen Picknickplatz.
Mitnehmen
Sonnenschutz und Wasser, vor allem wenn du mit hinunter in die Schlucht fährst. Am Rand steht mittags die Hitze.
Fragen und Antworten zur Olduvai-Schlucht
Liegt die Olduvai-Schlucht in der Serengeti?
Nein, sie liegt im Ngorongoro-Schutzgebiet, rund 5 bis 6 Kilometer abseits der Hauptstraße zwischen Krater und Serengeti. Zuständig ist die Ngorongoro Conservation Area Authority, nicht die Nationalparkbehörde TANAPA. Für dich heißt das: eigene Genehmigung, eigene Gebühr.
Was kostet der Besuch der Olduvai-Schlucht?
Ab 16 Jahren zahlst du rund 30 € (35,40 US-Dollar), Kinder von 5 bis 15 rund 10 €, Jüngere nichts. Der Shifting Sand ist dabei. Dazu kommt die Genehmigung für das Schutzgebiet, rund 60 € für Erwachsene. Laetoli kostet extra, rund 20 €.
Kann ich in die Schlucht hinunter?
Ja, mit einem Führer vom Museum. Die Fahrt hinunter zur Fundstelle Zinj dauert rund zehn Minuten. Frag gleich bei der Ankunft danach, im üblichen Halt ist der Abstieg nicht drin.
Wie viel Zeit brauche ich an der Olduvai-Schlucht?
Für Vortrag und Ausstellung reichen ein bis zwei Stunden. Mit dem Abstieg in die Schlucht und dem Shifting Sand wird ein halber Tag daraus.
Was wurde in der Olduvai-Schlucht gefunden?
Die bekanntesten Funde sind der rund 1,8 Millionen Jahre alte Nussknacker-Schädel, den Mary Leakey 1959 entdeckte, und die Knochen, nach denen 1964 die Art Homo habilis benannt wurde. Dazu kommen Steinwerkzeuge; die ältesten heißen nach der Schlucht Oldowan.
Warum heißt die Schlucht Olduvai?
Der Name kommt vom Massai-Wort Oldupai für den wilden Sisal, der an den Hängen wächst. Auf Schildern vor Ort liest du deshalb oft Oldupai statt Olduvai.
Quellen und Stand
Geprüft am 11. Oktober 2026
- Eigene Recherche von Synapsenbrenner, Stand 22. September 2026
- Ngorongoro Conservation Area Authority: Tariffs (Olduvai Gorge / Shifting Sand, Laetoli, Entry Permit) abgerufen 2026-10-11
- Wikipedia: Olduvai Gorge (Länge, Tiefe, Schichtdicken, Geschichte, Name) abgerufen 2026-10-11
- Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins: OH 5 abgerufen 2026-10-11
- Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins: Homo habilis abgerufen 2026-10-11
- Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins: Laetoli Footprint Trails abgerufen 2026-10-11
- Encyclopaedia Britannica: Bed I, Bed II, Bed III, Bed IV (Olduvai-Schichten) abgerufen 2026-10-11
- Wikipedia: Olduvai Gorge Museum (rund 5 km ab der Abzweigung, Lage am Zusammenfluss der Schluchten) abgerufen 2026-10-11
- Expert Africa: Olduvai Gorge visit (Safari-Anbieter; Abstieg, Shifting Sand, Grabungszeit) abgerufen 2026-10-11
- Smithsonian National Museum of Natural History, Human Origins: Early Stone Age Tools abgerufen 2026-10-11
- Google Maps: Ort „Olduvai-Schlucht“ (−2,99634 / 35,35206) abgerufen 2026-10-11
- OpenStreetMap: Olduvai Gorge Museum (Way 478260246), Aussichtspunkt (Node 1331017125), Parkplatz (Way 478260230), Shifting Sands (Node 342106260), Gedenkstein an der Abzweigung (Node 10655346752). © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL) abgerufen 2026-10-11
- Synapsenbrenner: Karte Serengeti abgerufen 2026-10-11
- Wikimedia Commons: Gedenktafel „The skull of Australopithecus boisei (Zinjanthropus) was found here by M. D. Leakey, July 17th, 1959“ abgerufen 2026-10-11
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