Du fährst über eine Ebene, auf der nichts wächst, und der Staub steht hinter dem Wagen in der Luft. Dann wird es grün, ein Grün, das hier nicht hinzugehören scheint. Die Sümpfe Enkongo Narok und Ol Tukai liegen mitten im Amboseli-Nationalpark in Kenia, im Schatten des Kilimandscharo. Enkongo Narok zieht sich südlich und östlich des Observation Hill durch die Senke, bei Ol Tukai schließt der Longinye-Sumpf an. Zusammen sind sie der Grund, warum es in diesem trockenen Park so viele Tiere gibt.
Regen fällt hier kaum, 300 bis 350 Millimeter im Jahr. Das Wasser kommt von woanders: Am Kilimandscharo und in den Chyulu Hills versickert es in Wald und Vulkanboden, läuft unterirdisch in die Senke und tritt hier in Quellen wieder aus. Deshalb sind die Sümpfe auch in der Trockenzeit nass, wenn die Ebene ringsum staubt.
Die Elefanten haben ihren eigenen Takt. In der Trockenzeit verbringen viele Familien die Nacht draußen, teils außerhalb des Parks, und kommen morgens zurück. Über Mittag stehen sie im Sumpf, bis zum Bauch im Grün, Kuhreiher auf dem Rücken. Am späten Nachmittag ziehen sie wieder über die offene Ebene hinaus. Flusspferde liegen tagsüber im Wasser, Büffelherden grasen am Rand.
Am Ufer stehen Pelikane, Reiher und Hammerköpfe, über dem Sumpf kreisen Greifvögel. Über 400 Vogelarten hat der Park, und die Sumpfränder sind die Stelle, an der sich die Wasservögel sammeln. Du siehst das alles vom Fahrzeug aus. Aussteigen darfst du nur an ausgewiesenen Stellen, und die beste davon liegt direkt am Sumpf: der Observation Hill. Von oben erkennst du, in welchem Sumpfarm die Herden gerade stehen, und planst deine Runde, statt zu suchen.