Links und rechts der Piste stehen die Halme so dicht, dass du keine zehn Meter in den Wald hineinsiehst. Dann wird es plötzlich hell. Du hast den Bambus hinter dir und stehst in einer offenen Landschaft aus Tussockgras, Heidekraut und Pflanzen, die aussehen wie aus einem anderen Erdzeitalter. Das sind die Bambuswälder und Moorlandschaften des Aberdare-Nationalparks, das Hochland über dem Bergwald, zwischen rund 2.400 und 4.001 Metern.
Der Aberdare stapelt seine Lebensräume übereinander. Unten steht Bergregenwald, ab etwa 2.400 Metern übernimmt der Bambus und zieht sich bis auf 3.000 bis 3.300 Meter hinauf, auf rund 350 Quadratkilometern. Darüber wachsen Baumheide und Büsche, dann öffnet sich das Hochmoor. Zwischen den Grasbülten stehen Riesenlobelien und Riesenkreuzkraut, eine Art davon wächst nur hier im Aberdare. Im Norden ragen die Dragon’s Teeth aus der Fläche, eine Reihe spitzer Felskegel, und dahinter der Mount Satima mit 4.001 Metern, der höchste Punkt des Gebirges.
Den Bambus erlebst du meist vom Auto aus, auf der Piste von den Toren herauf. Zu Fuß hindurch führt vor allem der Aufstieg auf den Elephant Hill am Südende des Gebirges, ein langer, schlammiger Tag. Die Stelle auf rund 3.250 Metern, an der der Bambus endlich aufhört, nennen kenianische Wanderer Point Despair, den Punkt der Verzweiflung. Die Route zum Mount Satima beginnt dagegen schon oben im Moor. Wer nur sie geht, sieht das Moor, aber kaum Bambus.
Im Bambus lebt die Bergbongo, eine rotbraune Antilope mit weißen Streifen. Bei einer Zählung mit Kamerafallen wurden 2025 im Aberdare nur noch 28 Tiere nachgewiesen. Rechne nicht damit, eine zu sehen. Elefanten und Büffel stehen dagegen regelmäßig im Bambus, und deshalb gehst du hier nur mit bewaffneten Rangern zu Fuß. Oben ist es kühl, nass und oft neblig. Genau das macht das Moor so still.