Der Motor ist aus, vor dir liegt ein breiter, lehmbrauner Fluss, und vom anderen Ufer kommt eine Elefantenfamilie herunter. Die Großen gehen voran, die Kleinen hängen am Schwanz der Mutter, dann stehen alle bis zum Bauch im Wasser. Das sind die Ufer des Uaso Nyiro: der Fluss, ohne den es im Samburu-Nationalreservat kaum Leben gäbe. Er bildet die Südgrenze des Reservats, drüben liegt Buffalo Springs. Fast jede Pirschfahrt führt früher oder später hierher.
Rundherum ist Halbwüste, am Wasser wird es grün. Doumpalmen und Akazien säumen das Ufer, auf den Sandbänken liegen Nilkrokodile in der Sonne, und Netzgiraffen spreizen die Vorderbeine, um trinken zu können. Der Uaso Nyiro, auch Ewaso Ng’iro geschrieben, entspringt am Mount Kenya und fließt rund 700 Kilometer weit, bis er im Lorian-Sumpf versickert. Der Name kommt aus dem Maa und heißt ungefähr „Fluss mit braunem Wasser“.
Die Elefanten hier gehören zu den am besten untersuchten der Welt. Save the Elephants betreibt seit 1997 eine Forschungsstation am Rand des Reservats und hat über die Jahrzehnte mehr als 900 einzelne Elefanten erfasst, die die Reservate entlang des Flusses nutzen.
Verlass dich aber nicht darauf, dass immer Wasser fließt. Weiter oben wird viel Wasser für Felder abgezweigt, im Flussbett wird Sand abgebaut, und in Dürrejahren fällt der Fluss streckenweise trocken. 2009 lag der Abschnitt am Reservat mindestens sechs Monate trocken. Dann graben die Elefanten Löcher in den Sand, bis Wasser nachsickert, und nach ihnen trinken Oryxantilopen, Strauße und die Herden der Samburu.