Du rollst langsam durch hohes Gras, links ein Sumpf, über dem noch Nebel hängt, und dann steht es da: ein Breitmaulnashorn, das breite Maul tief im Grün, und es lässt sich von deinem Wagen nicht stören. Das ist das Nashorn-Schutzgebiet im Meru, rund 83 Quadratkilometer hinter Elektrozaun an der Westgrenze des Meru-Nationalparks, nicht weit vom Haupttor Murera. Hier leben beide afrikanischen Nashornarten, und Ranger behalten sie Tag und Nacht im Blick.
Dass es sie hier überhaupt wieder gibt, ist eine Rückkehr. Vor den Siebzigerjahren zogen über 200 Spitzmaulnashörner durch den Park, dann kamen die Wilderer. Um das Jahr 2000 war kein einziges Nashorn mehr übrig. 2001 trafen sechs Breitmaulnashörner von der Solio Ranch ein, 2005 folgten 20 Spitzmaulnashörner. Im Oktober 2024 waren es 100 Breitmaul- und 45 Spitzmaulnashörner, sechs Spitzmaulkälber kamen allein in diesem Jahr zur Welt. Inzwischen wird es eng: Im September 2026 hat der Kenya Wildlife Service Breitmaulnashörner von hier in Schutzgebiete in Laikipia und Transmara gebracht.
Der Zaun hat einen Trick. In ihm stecken zwanzig Durchlässe aus kurzen Pfosten, dicht an dicht. Elefanten, Büffel, Zebras und Antilopen kommen hindurch, nur das Nashorn mit seinen kurzen Beinen und dem runden Bauch bleibt hängen. Deshalb begegnen dir im Schutzgebiet auch alle anderen Tiere des Parks.
Ein Selbstläufer ist die Suche trotzdem nicht. Breitmaulnashörner grasen offen, gern am Mururi-Sumpf, am ehesten früh am Morgen und am späten Nachmittag. Spitzmaulnashörner verstecken sich im Busch, eines zu sehen ist Glückssache. Frag am Tor, wo die Tiere zuletzt standen, und plan einen halben Tag dafür ein.