Die Sonne steht schon tief, als die erste Elefantenkuh aus dem Busch tritt. Hinter ihr kommt die Herde, Jungtiere zwischen den Beinen, und alle zusammen waten in den Fluss. Das ist das Ufer des Kwando: die ganze Westgrenze des Mudumu-Nationalparks in der Sambesi-Region, rund 40 Kilometer südlich von Kongola. Auf der anderen Seite des Wassers liegt schon Botswana, und einen Zaun gibt es weder hier noch dort.
Genau deshalb kommen die Tiere. Der Mudumu ist ein Durchgangsland für Elefanten, die zwischen Botswana, Angola und Sambia wandern, und in der Trockenzeit ist der Kwando das einzige verlässliche Wasser weit und breit. Dann drängen sich am Ufer Elefanten und Büffel, auf den Auen grasen Litschi-Wasserböcke, und im Fluss liegen Flusspferde und Krokodile. Im Schilf versteckt sich die scheue Sitatunga, eine Sumpfantilope, die du nur mit Geduld und Fernglas entdeckst.
Du übernachtest, wenn du willst, direkt am Wasser. An der Nakatwa-Lagune, einem Altarm des Kwando, liegen vier einfache Stellplätze ohne jede Einrichtung. Abends hörst du die Flusspferde grunzen, nachts knackt es im Busch neben dem Zelt. Aufs Wasser selbst kommst du nur mit einem Boot der Lodges, eigene Boote sind auf dem Kwando nicht erlaubt.
Bring deine Erwartungen mit, aber die richtigen. Raubtiere leben im Park, im dichten Wald sind sie aber schwer zu finden. Die Vögel dagegen zeigen sich gern: 430 Arten sind im Mudumu nachgewiesen, und in den steilen Uferwänden brüten leuchtend rote Karminspinte. Wer früh morgens und am späten Nachmittag am Fluss steht, wenn die Herden trinken kommen, hat hier seine besten Stunden.