Du steigst vom Kiesstrand in den Wald, und nach ein paar Minuten ist der See hinter dir verschwunden. Es riecht nach feuchter Erde, irgendwo oben ruft ein Vogel, und dein Führer hebt die Hand. Zehn Meter vor dir sitzt ein Schimpanse am Hang, kaut, kratzt sich und schaut dich an. Das sind die Schimpansen von Gombe: die Tiere, die Jane Goodall ab dem 14. Juli 1960 beobachtet hat, im Gombe-Stream-Nationalpark am Ostufer des Tanganjikasees. Seitdem läuft hier die längste Freilandstudie an wilden Schimpansen der Welt.
Im Park leben drei Gemeinschaften. Die Kasekela-Gruppe, über die Goodall geschrieben hat, ist die größte und bleibt meist in der Nähe der Station. Die Mitumba-Gruppe lebt im Norden, und beide sind an Menschen gewöhnt. Die Kalande-Gruppe im Süden ist es nicht und auf wenige Tiere geschrumpft. 2024 zählte die Parkverwaltung rund 77 Schimpansen im ganzen Park, in den 1960er-Jahren waren es 120 bis 150.
Eine Straße gibt es nicht, du kommst mit dem Boot von Kigoma. Gegen 8 Uhr geht es vom Strand bergauf, Tracker sind schon seit dem Morgengrauen im Wald und melden, wo die Tiere sind. Wie lange du gehst, entscheiden die Schimpansen: eine Stunde oder auch fünf. Bei der Gruppe bleibst du höchstens eine Stunde, und am ganzen Tag dürfen nur fünf Besuchergruppen in den Wald.
Die Regeln sind streng, weil sich Schimpansen mit unseren Krankheiten anstecken, vor allem mit Erkältungen. Du hältst zehn Meter Abstand, setzt die Maske auf, sobald die Tiere in Sicht sind, isst und trinkst in ihrer Nähe nicht und bleibst im Camp, wenn du krank bist. Mitgehen darfst du ab zwölf Jahren. Und manchmal musst du gar nicht suchen: Dann kommen die Schimpansen von selbst an den Strand von Kasekela, zwischen die Zelte und bis an die Wäscheleine.