Der Morgennebel hängt noch zwischen den Stämmen, und die Rinde der Bäume leuchtet gelbgrün, als hätte jemand sie mit Puder bestäubt. Das ist der Lerai-Wald, der einzige geschlossene Wald auf dem Boden des Ngorongoro-Kraters. Lerai ist das Wort der Massai für die Gelbrinden-Akazie, die Fieberakazie, und nach ihr heißt der Wald. Sie bildet zusammen mit dem Quinin-Baum Rauvolfia caffra fast das ganze Blätterdach.
Rund um dich ist der Krater offenes Grasland, hier dagegen gibt es Schatten und Deckung. Genau das holt die Tiere her. Die meisten Elefanten auf dem Kraterboden sind Bullen, viele mit langen, schweren Stoßzähnen, und sie stehen gern zwischen den Akazien. Aber auch Familiengruppen mit Kälbern kommen herunter, und wenn, dann halten sie sich gerade in diesem Wald auf. Mit etwas Glück stehst du also vor einer ganzen Herde, die Kleinen halb im Gras versteckt.
Der zweite Grund, langsam zu fahren, sind die Leoparden. Auf dem offenen Kraterboden finden sie kaum Deckung, im Lerai-Wald schon. Wildführer suchen deshalb den Waldrand ab und schauen in die Äste der Akazien. Dazu turnen Grüne Meerkatzen durch die Büsche, Wasserböcke grasen am Rand, und auf der Fläche davor stehen manchmal Spitzmaulnashörner.
Schau dir auch die Bäume genau an. Zwischen den lebenden Akazien liegen viele umgestürzte, silbergraue Stämme. Der Wald steht auf feuchtem Boden, und als das Grundwasser nach den Regenjahren der frühen 1960er-Jahre stieg und salziger wurde, starben viele alte Bäume ab. Elefanten schälen außerdem die Rinde. Der Wald verändert sich gerade, und jeder umgestürzte Stamm erzählt davon.
Am Waldrand beginnt die Lerai-Auffahrt, die einzige Straße, die nur hinaufführt. Wer den Krater über sie verlässt, fährt automatisch durch den Wald. Gleich am Anfang liegt der Lerai-Picknickplatz, an dem du aussteigen darfst.