Du rollst langsam über die Piste, die Fenster offen, und der Fahrer bremst unter einer breiten Akazie. Zuerst siehst du nur einen Schwanz mit dunkler Quaste, der zwischen den Ästen pendelt. Dann den ganzen Körper: Eine Löwin liegt flach auf dem Ast, die Beine baumeln links und rechts herunter, und sie schläft. Das sind die baumkletternden Löwen vom Lake-Manyara-Nationalpark, das Bild, mit dem der Park seit Jahrzehnten wirbt.
Hier wurde das Verhalten zuerst genau untersucht. 1969 beschrieben Stephen Makacha und George Schaller, dass die Löwen von Lake Manyara öfter und länger in Bäumen liegen als ihre Verwandten in der Serengeti. Warum, weiß bis heute niemand sicher. Im Gespräch sind stechende Fliegen am Boden, die Hitze, ein Platz abseits der vielen Elefanten und Büffel und schlicht die Bäume selbst: Breite Schirmakazien mit flachen, dicken Ästen laden zum Liegen ein.
Ehrlich gesagt ist eine Sichtung heute Glückssache. Einen festen Baum gibt es nicht, die Löwen ziehen umher, und der See hat sich seit etwa 2020 Teile der Ufer, des Waldes und der Grasfläche geholt. Bleibst du mehrere Tage, siehst du in gut vier von fünf Fällen Löwen. An einem einzelnen Tag kann es auch ohne gehen. Klappt es, liegen die Tiere manchmal in einem Baum direkt über der Piste, und du schaust von unten auf Pfoten, Bauch und Quaste.
Und wenn nicht? Dann hast du trotzdem einen guten Tag. Im Grundwasserwald hinter dem Tor stehen Elefanten zwischen Feigenbäumen, Pavianhorden sitzen am Wegrand, und auf dem See treiben Wasservögel. Kletternde Löwen gibt es übrigens auch in der Serengeti, in Tarangire und im Ishasha-Sektor in Uganda. Lake Manyara ist der Ort, an dem man zuerst genau hingesehen hat, nicht der einzige, an dem sie liegen.