Es ist kurz nach sieben, die Sonne steht noch tief über dem Sandbett, und unten im Flussbett glänzt ein letzter Tümpel. Oben am Hang bewegt sich etwas Graues zwischen den Bäumen. Erst eine alte Kuh, dann noch eine, dann zwei Kälber, die fast unter den Bäuchen der Großen verschwinden. Sie gehen nicht, sie eilen. Das sind die Elefantenherden am Großen Ruaha, und in der Trockenzeit führt fast jeder ihrer Wege an diesen Fluss.
Dass sie so verlässlich kommen, hat einen traurigen Grund. Der Große Ruaha führte früher das ganze Jahr Wasser. 1993 fiel er im Park zum ersten Mal trocken, und seitdem bricht er in der Trockenzeit immer wieder ab, meist von September bis Dezember. Flussaufwärts, in der Usangu-Ebene, nehmen Reisfelder in den trockenen Monaten fast das ganze Wasser. Im Park bleiben dann Tümpel im Sand, und an denen drängt sich alles, was trinken muss.
Ist auch der Tümpel nur noch eine braune Pfütze, fängt das Graben an. Ein Elefant scharrt mit dem Vorderfuß und schiebt mit dem Rüssel Sand beiseite, bis unten Wasser nachsickert. Forscher aus Berlin haben am Großen Ruaha beobachtet, dass die Tiere schon graben, sobald der Fluss aufhört zu fließen, nicht erst, wenn er ganz trocken ist. Das stehende Wasser in den Tümpeln ist dann voller Bakterien, das Wasser aus dem Sand sauberer. Auch Steppenzebras, Warzenschweine und Gelbe Paviane graben, und andere Arten trinken mit. Ein Loch hält bis zu zwei Wochen und ist manchmal im Umkreis von fünf Kilometern das einzige Wasser.
Ganz ohne Schatten ist auch die Geschichte der Elefanten hier nicht. Im Raum Ruaha-Rungwa zählte die Wildforschung 2013 rund 20.000 Tiere, 2015 knapp 16.000. Die vielen Kadaver, die die Zähler fanden, starben nicht eines natürlichen Todes, und Tansania verstärkte danach den Kampf gegen die Wilderei. 2021 waren es gut 15.700 Elefanten, und frische Kadaver fanden sich kaum noch. Wenn heute eine Familie zum Trinken herunterkommt, siehst du einen der größten Bestände des Landes.
Was du nicht bekommst, ist ein Flussbild wie im Prospekt. Im September und Oktober stehst du oft vor Sand, und zwischen den Wasserstellen fährst du manchmal lange ohne Sichtung. Dafür hast du die Szene am Ufer meist für dich allein.