Kurz nach sechs, das Tor ist gerade offen, und dein Guide hält mitten auf der Piste an. Im Sand steht ein runder Abdruck mit vier Zehen und ohne Krallen. Ein Leopard, heute Nacht. Ihr folgt der Spur Richtung Mwagusi, und im Schatten eines Uferbaums hebt eine Löwin den Kopf. Die Raubtiere im Ruaha sind der Grund, warum viele, die schon in der Serengeti waren, in den Süden Tansanias weiterfahren: Löwe, Leopard, Gepard, Afrikanischer Wildhund und Tüpfelhyäne leben hier im selben Park.
Die Löwen sind die Hauptdarsteller. In der Ruaha-Landschaft, also im Park und den Schutzgebieten drumherum, leben mehr als zehn Prozent aller Löwen der Welt. Dazu kommt der drittgrößte Wildhundbestand Afrikas und einer von nur vier großen Gepardenbeständen in Ostafrika. Dass so viele Jäger hier Platz finden, hat mit der Lage zu tun: Im Ruaha treffen die offenen Akazienbüsche Ostafrikas auf die Miombo-Wälder des Südens. Die Beute zeigt das am deutlichsten. Großer und Kleiner Kudu stehen hier neben Rappen- und Pferdeantilope.
Wie unterschiedlich die fünf Jäger sind, haben Kamerafallen im Park gezeigt. In der Trockenzeit 2018 standen 71 Kameras an Wegen im Hauptgebiet der Pirschfahrten und im Miombo-Wald. Sie fotografierten 1.852 Mal eine Tüpfelhyäne, 580 Mal einen Löwen, 315 Mal einen Leoparden, 107 Mal Wildhunde und nur 10 Mal einen Geparden. Löwen waren vor allem zwischen 2 und 4 Uhr nachts unterwegs, Leoparden gegen 21 Uhr und noch einmal kurz vor Sonnenaufgang. Die Wildhunde dagegen waren die einzigen, die rund um den Sonnenaufgang am aktivsten waren.
Und sie belauern sich gegenseitig. Hyänen tauchten an den Kameras oft kurz nach Löwen auf, Löwen und Hyänen folgten den Leoparden, und Leoparden gingen den Löwen aus dem Weg. Wer eine Beute macht, muss sie gegen die anderen verteidigen. Für dich heißt das: Die erste Stunde nach Toröffnung und die letzte vor Torschluss sind die wertvollsten des Tages. Versprechen kann dir die vier Arten niemand. Am ehesten triffst du Löwen, mit Glück einen Leoparden in den Uferwäldern, und der Gepard bleibt der seltene Gast.