Der Bootsführer nimmt Gas weg, und plötzlich hörst du es: ein Klappern, Krächzen und Flattern aus den Bäumen vor dir. Du treibst auf der Gcodikwe-Lagune, einem fast kreisrunden Altarm im Osten des Okavango-Deltas, und auf den Inseln in ihrer Mitte sitzen Marabus, Gelbschnabelstörche und Reiher so dicht, dass die Feigenbäume weiß und grau gesprenkelt aussehen.
Die Lagune ist ein alter Flussbogen, den der Maunachira abgeschnitten hat. Papyrus säumt das Ufer, auf den Inseln stehen große Sykomoren-Feigen. Kein Landraubtier kommt hinüber, und genau deshalb bauen hier tausende Paare ihre Nester: Störche, Reiher, Silberreiher, Ibisse, Kormorane und Schlangenhalsvögel, alle gleichzeitig, oft im selben Baum.
Wann du kommst, entscheidet fast alles. Im August und September tragen die Vögel Zweige zusammen, im Oktober und November schlüpfen die Küken. Dann steht das Wasser niedrig, und die Altvögel finden leicht Fisch. Im Mai oder Juni dagegen liegt die Lagune still und leer, schön, aber ohne Kolonie.
Eine Straße gibt es nicht. Ab der Bootsstation Xakanaxa fährst du rund anderthalb Stunden je Richtung, ab Third Bridge rund 15 Kilometer, und manche Camps im Norden liegen nur wenige Kilometer entfernt. Wer bleiben will, schlägt sein Zelt auf einer der Wildnis-Inseln auf, ohne Wasser, Strom oder Toilette, mitten im Konzert der Kolonie.