Die Stange deines Polers knirscht im Sand, und aus dem Schilf steigt die größte Insel des Deltas.
Chief's Island ist die größte Insel des Okavango-Deltas, rund 70 Kilometer lang und 15 Kilometer breit. Eine Verwerfung hat das Land hier angehoben, deshalb bleibt es trocken, wenn ringsum die Flut steht. Genau darum sammelt sich hier ein großer Teil der Tiere des Deltas, und genau darum sieht man hier so verlässlich Löwen, Leoparden und Wildhunde.
Du sitzt tief im Mokoro, das Wasser gluckst eine Handbreit unter der Bordwand, und hinter dir stößt der Poler seine lange Stange in den Grund. Vor dir wird das Schilf lichter, Palmen tauchen auf, dann ein breiter Streifen festes Land: Chief’s Island, die größte Insel im Okavango-Delta. Rund 70 Kilometer zieht sie sich durch das Delta, bis zu 15 Kilometer breit, mitten im Moremi Game Reserve.
Die meisten der tausenden Inseln im Delta sind klein, viele haben als Termitenhügel angefangen. Chief’s Island ist anders: Eine Verwerfung im Untergrund hat diesen Landrücken angehoben. Wenn die Flut aus dem angolanischen Hochland ankommt und das Delta im Juli und August am vollsten ist, stehen die Ebenen ringsum unter Wasser, die Insel aber bleibt trocken. Dann ziehen sich Büffel, Zebras, Antilopen und mit ihnen Löwen, Leoparden und Wildhunde auf das Land zurück.
Aus Sicht des Deltas ist Chief’s Island vor allem eins: das große Land zwischen den Wasserwegen. Im Norden liegen die Camps um Mombo, im Westen Chief’s Camp, beide nur mit dem Kleinflugzeug ab Maun zu erreichen. Am Südwestrand, gleich gegenüber der Insel, starten Mokoro-Fahrten und Wanderungen von den einfacheren Camps aus. Eine Straße gibt es nicht. Wer die Insel nur sehen will, fährt mit dem Boot ab Maun bis an den Südrand, wenn genug Wasser steht.
Die Insel war einst das Jagdgebiet des Chiefs der Batawana, daher der Name. Seit den Siebzigerjahren gehört sie zum Moremi Game Reserve, und das spürst du: Nachts fährt hier niemand, und in den Camps auf der Insel gibt es keine Fußpirsch. Dafür bleibt der Morgen auf der Insel ganz den Tieren und dir.
Warum hin
Darum lohnt sich Chief’s Island
Die größte Landmasse im Okavango-Delta, rund 70 mal 15 Kilometer, von einer Verwerfung angehoben und deshalb auch bei Hochwasser trocken.
Wenn die Flut die Ebenen überschwemmt, zieht sich ein großer Teil der großen Tiere hierher zurück, die Insel wirkt wie eine Arche.
Vier große Räuber teilen sich das Gebiet: Löwe, Leopard, Tupfenhyäne und der seltene Afrikanische Wildhund.
Das ehemalige Jagdgebiet des Chiefs der Batawana kam 1976 zum Moremi Game Reserve dazu.
Es führt keine Straße hierher: Gäste der Camps fliegen ein, Tagesgäste erreichen per Boot ab Maun nur den Südrand der Insel.
Aus Reiseberichten und Foren
Unsere Geheimtipps für Chief's Island
Nachts schläft die Insel, auch im teuersten CampChief’s Island liegt im Moremi Game Reserve, und dort fährt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang niemand. Die Camps auf der Insel bieten deshalb weder Nachtpirsch noch Fußpirsch an. Willst du beides erleben, plan eine zweite Station in einem privaten Konzessionsgebiet außerhalb des Reservats ein.
Im Januar und Februar bleibt das Mokoro an LandIn diesen beiden Monaten gibt es auf Chief’s Island keine Mokoro-Fahrten. Am besten gleitest du von Mai bis Oktober durch die Kanäle, dazwischen entscheidet der Wasserstand, und der ändert sich von Jahr zu Jahr. Frag beim Buchen nach, ob dein Camp gerade aufs Wasser kann.
Wer dir ein Nashorn verspricht, sollte es belegenAb 2001 wurden hier die meisten der wieder angesiedelten Nashörner Botswanas freigelassen. Nach schwerer Wilderei hat Botswana die Tiere ab 2020 an geheime Orte gebracht, zuletzt im Oktober 2021. Plan deine Reise nicht um ein Nashorn herum.
Ein eigenes Fahrzeug lohnt sich, wenn du fotografierstIn den Camps sitzen meist höchstens sechs Gäste in einem offenen Wagen, jeder am Rand. Reist du mit Kamera oder Kindern, buch trotzdem ein eigenes Fahrzeug dazu: Dann bestimmst du, wie lange ihr bei den Löwen bleibt. Es kostet extra und ist in der Hauptsaison schnell vergeben.
lang ist die Insel, die größte im ganzen Delta
rund 70 km
breit an der weitesten Stelle
15 km
Land, das auch bei Hochwasser trocken bleibt
rund 600 km²
ist das Delta ringsum am vollsten
Juli/August
Wo genau
Lage und Anreise zu Chief’s Island
Chief’s Island liegt mitten im Okavango-Delta im Norden Botswanas, im Westteil des Moremi Game Reserve, rund 80 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Maun. Die Insel zieht sich auf rund 70 Kilometern von Mombo im Nordwesten bis zum Südrand gegenüber von Xaxaba.
So kommst du hin
Maun, FlughafenOrt · rund 25 Min. Flug bis Chief’s Camp
Chief’s Camp AirstripAirstrip · auf der Insel, rund 10 Min. Fahrt zum Camp
14 km
Mombo AirstripAirstrip · auf der Nordspitze der Insel
29 km
Delta Camp AirstripAirstrip · am Südwestrand, weiter mit Mokoro oder zu Fuß
Chief’s Island ist von Mai bis Oktober am stärksten. Die Flut aus Angola erreicht das Delta im Frühjahr und steht im Juli und August am höchsten, dann drängen sich die Tiere auf der trockenen Insel. Bis Oktober trocknen die Wasserstellen ringsum aus, und die Sichtungen bleiben dicht. In der Regenzeit von Januar bis März verteilen sich die Tiere wieder, und das Mokoro bleibt im Januar und Februar an Land.
Oktober empfohlen
Der Oktober ist eine der besten Reisezeiten für Chief’s Island. Im Oktober ist auf Chief’s Island viel los, starte deshalb möglichst früh.
Tiere drängen sich an Dauerwasser und auf der Insel Tierdichte
Mokoro-Zeit Mokoro
05:58Sonnenaufgang
18:29Sonnenuntergang
12,5 hTageslicht
Monatsmitte, Ortszeit (UTC+2).
Dein Tag auf Chief’s Island
Hell und dunkel im gewählten Monat, dazu ein Vorschlag für deinen Ablauf.
2610141822
05:00–06:00Bis zum Sonnenaufgang bleiben alle Fahrzeuge stehen. Im Moremi fährt nachts niemand.
06:00–10:00Die erste Ausfahrt beginnt mit dem Licht. Jetzt sind Löwen und Wildhunde noch unterwegs, bevor die Hitze kommt.
11:00–15:00Zwischen den Ausfahrten ist Pause im Camp. Gute Zeit, um vom Deck aus das Wasserloch im Blick zu behalten.
15:30–18:00Die zweite Ausfahrt oder das Mokoro im weichen Abendlicht. Wann es dunkel wird, hängt am Monat.
18:00–05:00Nach Sonnenuntergang ist Schluss. Nachtpirsch gibt es auf der Insel nicht.
Zieh den Regler durch das Jahr. Du siehst, wie das Wasser aus Angola die Ebenen rund um Chief’s Island füllt, während die Insel trocken bleibt, und wie die Tiere auf ihr zusammenrücken.
Die Ebenen sind trocken, die Tiere verteilen sich über das ganze Delta.
Erstes Wasser in den Rinnen. Noch kommst du fast überall zu Fuß hin.
Die Flut breitet sich aus, die Kanäle füllen sich, die Mokoro-Zeit beginnt.
Das Delta ist am vollsten. Chief’s Island ragt trocken aus dem Wasser, und die Tiere drängen sich darauf.
Wenn das Wasser steigt, wird die Insel zur Bühne für die großen Räuber und ihre Beute. Hier siehst du, wen du triffst, wie wahrscheinlich das ist und wie du dich verhältst.
Foto: Peggy Schaeffer, CC BY 4.0
Löwe
Afrikas größte Katze, lebt in Rudeln und jagt hier vor allem Büffel, Zebras und Antilopen.
Sichtungschance
Oft
Wo du sie findest
auf den offenen Grasflächen und am Rand der Schwemmebenen, oft auch im flachen Wasser
So verhältst du dich
Bleib im Fahrzeug sitzen, steh nicht auf und sprich leise.
Foto: Richardk85, CC0
Leopard
Einzelgänger mit Rosettenfell, der seine Beute oft auf Bäume schleppt und tagsüber in Astgabeln döst.
Sichtungschance
Gute Chance
Wo du sie findest
in den Flusswäldern und auf großen Bäumen wie dem Leadwood, vor allem im Norden um Mombo
So verhältst du dich
Leise bleiben und Geduld haben, oft verrät nur ein Schwanz im Laub, wo er liegt.
Foto: Gregory "Slobirdr" Smith, CC BY-SA 2.0
Afrikanischer Wildhund
Gefleckter Rudeljäger mit runden Ohren, einer der seltensten Beutegreifer Afrikas und stark gefährdet.
Sichtungschance
Selten
Wo du sie findest
unterwegs über weite Strecken, Rudel ziehen durch die Insel und die Nachbargebiete
So verhältst du dich
Bleib im Fahrzeug und überlass dem Guide, ob und wie er dem Rudel folgt.
Foto: Scott Crabtree, CC0
Litschi-Moorantilope
Rotbraune Antilope der Sumpfgebiete, die bei Gefahr mit weiten Sprüngen ins flache Wasser flieht.
Sichtungschance
Oft
Wo du sie findest
am Rand der Schwemmebenen und in den flachen Rinnen rund um die Insel
So verhältst du dich
Einfach zuschauen. Wenn sie ins Wasser springen, hast du sie zu sehr bedrängt.
Foto: Charles J. Sharp, CC BY-SA 3.0
Flusspferd
Schwerer Pflanzenfresser, der tagsüber im Wasser liegt und nachts an Land grast. Für ein Mokoro ist es das gefährlichste Tier im Delta.
Sichtungschance
Oft
Wo du sie findest
in den tieferen Kanälen und Lagunen rund um die Insel, die Wege des Mokoro kreuzen ihre Pfade
So verhältst du dich
Im Mokoro ruhig sitzen und dem Poler vertrauen. Er hält Abstand und wartet, bis die Tiere auftauchen.
Erst hob die Erde das Land, dann jagte hier nur der Chief. Heute schützt das Reservat die Insel, und beim Nashorn hat sie eine bewegte Geschichte hinter sich.
Erdgeschichte
Eine Verwerfung hebt das Land
Ein Bruch im Untergrund hebt einen Streifen von über 70 Kilometern Länge an. So entsteht die größte Insel im Delta, die auch bei Hochwasser trocken bleibt.
bis 1963
Jagdgebiet des Chiefs
Die Insel gehört als königliches Jagdgebiet dem Chief der Batawana. Daher hat sie ihren Namen.
1963
Das Moremi Game Reserve entsteht
Die Batawana erklären das Gebiet östlich der Insel zum Reservat, benannt nach Chief Moremi III. Treibende Kraft ist seine Witwe Elizabeth Pulane Moremi.
1976
Chief’s Island kommt dazu
Das alte Jagdgebiet wird Teil des Reservats. Seitdem gelten auf der Insel die Regeln des Moremi.
ab 2001
Nashörner kehren zurück
Botswana lässt die meisten seiner wieder angesiedelten Nashörner auf der Insel frei. Für einige Jahre leben hier wieder die Big Five.
2020 bis 2021
Die Nashörner fliegen aus
Nach schwerer Wilderei bringt Botswana die Tiere in mehreren Etappen an geheime Orte, zuletzt bekannt im Oktober 2021. Wie viele heute auf der Insel leben, bleibt geheim.
Ehrlich gesagt
Passt Chief’s Island zu dir?
Ja, wenn …
Du willst Löwen, Leoparden und mit Glück Wildhunde an einem einzigen Ort suchen.
Du magst es still und abgelegen, ohne Straße und ohne andere Fahrzeuge am Horizont.
Du willst im Mokoro durch die Kanäle gleiten und danach auf festes Land steigen.
Du hast drei, vier Nächte Zeit und ein Budget für Flug und Camp.
Eher nicht, wenn …
Du willst selbst fahren. Auf die Insel führt keine Straße.
Du suchst Nachtpirsch oder Fußpirsch im Camp auf der Insel. Beides ist im Reservat nicht erlaubt.
Du hast nur einen Tag. Dann bleibt dir der Bootsausflug an den Südrand, und nur bei genug Wasser.
Inspiration
Chief’s Island in Bildern
Eine Landepiste im Busch, ein Leopard im Baum, Schwemmland bis zum Horizont: so sieht Chief’s Island aus, bevor du selbst landest.
Ein paar Dinge solltest du vor dem Flug wissen, von der weichen Tasche bis zur Frage, wann das Mokoro fährt.
Anreise
Du fliegst mit dem Kleinflugzeug ab Maun. Bis Chief’s Camp dauert der Flug rund 25 Minuten, danach fährst du noch etwa 10 Minuten zum Camp. Der Flug gehört zur Buchung.
Gepäck
Pack höchstens 20 Kilogramm in eine weiche Tasche. Harte Koffer passen nicht in die kleinen Maschinen.
Mokoro
Das Mokoro ist ein schmaler Einbaum, heute meist aus Glasfaser. Du sitzt vorn, der Poler steht hinten und schiebt mit einer langen Stange. Ob es losgeht, entscheidet der Wasserstand.
Ohne Übernachtung
Willst du die Insel nur sehen, buch ab Maun einen Bootsausflug. Bis zum Südrand sind es dreieinhalb bis vier Stunden, und er fährt nur bei genug Wasser.
Zweite Station
Nachtpirsch und Fußpirsch gibt es nur außerhalb des Reservats. Wer beides will, hängt ein paar Nächte in einem privaten Konzessionsgebiet an.
Du fragst
Fragen und Antworten zu Chief’s Island
Wie kommst du nach Chief’s Island?
Mit dem Kleinflugzeug ab Maun. Bis Chief’s Camp dauert der Flug rund 25 Minuten, er gehört zur Buchung, und du darfst 20 Kilogramm in einer weichen Tasche mitnehmen. Eine Straße gibt es nicht. Ohne Übernachtung bleibt dir ein Bootsausflug ab Maun: dreieinhalb bis vier Stunden bis an den Südrand, nur bei genug Wasser.
Wann ist die beste Zeit für Chief’s Island?
Von Juli bis Oktober. Dann steht die Flut in den Ebenen, die Tiere drängen sich auf der trockenen Insel, und du siehst mehr auf weniger Raum. Von Januar bis März verteilen sie sich wieder, und im Januar und Februar bleibt das Mokoro an Land.
Siehst du auf Chief’s Island die Big Five?
Löwe, Leopard, Elefant und Büffel begegnen dir hier regelmäßig. Die Nashörner, die ab 2001 freigelassen wurden, hat Botswana nach schwerer Wilderei bis Oktober 2021 an geheime Orte gebracht. Wie viele heute auf der Insel leben, wird nicht bekannt gegeben.
Warum gibt es auf Chief’s Island keine Nachtpirsch?
Die Insel liegt im Moremi Game Reserve, und dort fährt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang niemand. Auch Fußpirsch bieten die Camps auf der Insel nicht an. Beides findest du nur in privaten Konzessionsgebieten außerhalb des Reservats.
Kannst du Chief’s Island mit dem Mokoro erreichen?
Bis an den Rand, ja. Camps wie Oddballs liegen am Südwestrand gleich gegenüber der Insel und fahren mit dem Mokoro durch die Kanäle davor, wenn das Wasser es zulässt. Wanderungen bieten sie in ihrem eigenen Gebiet außerhalb des Reservats an.
Wie groß ist Chief’s Island?
Rund 70 Kilometer lang und bis zu 15 Kilometer breit, zusammen rund 600 Quadratkilometer. Damit ist sie die größte Insel im Okavango-Delta. Anders als die meisten Inseln, die aus Termitenhügeln wachsen, hat eine Verwerfung im Untergrund sie angehoben.
Woher wir das wissen
Quellen und Stand
Geprüft am 11. Oktober 2026
Eigene Recherche von Synapsenbrenner, Stand 23. September 2026