Kulturstätte · Highlight

Tsodilo Hills

auch: Tsodilo · Lefelo la Tsodilo · Louvre der Wüste

Vier Felsen im Sand, und an ihren Wänden laufen Elenantilopen, die jemand vor Jahrhunderten gemalt hat.

Vier Quarzithügel steigen im Nordwesten Botswanas aus dem flachen Kalahari-Sand auf, rund 40 Kilometer abseits der Straße nach Shakawe. Auf nur 10 Quadratkilometern liegen über 4.500 Felsmalereien an etwa 500 Fundstellen, deshalb heißt der Ort auch Louvre der Wüste. Für die San und die Hambukushu ist Tsodilo ein Ort der Ahnen und bis heute ein Ort der Verehrung. Seit 2001 gehört er zum Welterbe der UNESCO, besichtigt wird nur mit einem Führer.

Besuchsdauer
2 bis 3 Stunden
Trubel
1 von 5
Beste Reisezeit
Mai–Sep
Startpunkt
Wal und Pinguin, 2,4 km Luftlinie

Wo genau?

Alle 6 Bilder
Felsmalerei bei den Tsodilo Hills.
Ein langgestreckter Felshügel der Tsodilo Hills über flachem Buschland unter blauem HimmelFoto: Joachim Huber, CC BY-SA 2.0
Felswand aus Quarzit mit rosa, violetten und ockerfarbenen Streifen hinter ÄstenFoto: Malcolm Macgregor, CC BY 2.0

Stundenlang ist das Land flach, nur Sand, Busch und Wellblech unter den Reifen. Dann stehen sie plötzlich vor dir, steile Felswände aus Quarzit, die in der Sonne rosa, ocker und violett schimmern. Das sind die Tsodilo Hills im äußersten Nordwesten Botswanas, nahe der Grenze zu Namibia. Die Menschen hier nennen die Hügel Mann, Frau und Kind, dazu kommt eine namenlose Kuppe.

Der Grund, warum du die lange Piste fährst, sind die Bilder. Über 4.500 Felsmalereien liegen auf nur 10 Quadratkilometern verteilt, an rund 500 Fundstellen. Du gehst mit deinem Führer am Fuß des Weiblichen Hügels entlang, und an fast jeder Wand wartet etwas: rote Elenantilopen, Giraffen, zwei Nashörner übereinander, sogar ein Wal und ein Pinguin, mitten in der Kalahari. Die bekannteste Wand ist das Van-der-Post-Panel, benannt nach dem Schriftsteller, der die Bilder 1958 in einem Buch beschrieb.

Tsodilo ist kein Freilichtmuseum. Für die San und die Hambukushu wohnen hier die Geister der Ahnen, an Quellen und Felsen wird bis heute gebetet. Die Spuren der Menschen reichen mindestens 100.000 Jahre zurück, und an zwei Plätzen haben Schmiede in der frühen Eisenzeit Eisen und Kupfer verarbeitet.

Allein darfst du nicht los, eine Führung ist Pflicht. Ihr ist es zu verdanken, dass die Wände kaum beschmiert sind. Den kurzen Rhino Trail um den Weiblichen Hügel schaffen alle, der Aufstieg auf den Männlichen Hügel ist anstrengend und belohnt dich mit dem weitesten Blick über die Kalahari. Plan für die Anfahrt viel Zeit ein: Die letzten 30 bis 40 Kilometer sind Sandpiste.

Warum hin

Darum lohnen sich die Tsodilo Hills

  1. Über 4.500 Felsmalereien auf nur 10 Quadratkilometern: Kaum irgendwo sonst auf der Welt stehen so viele Bilder so dicht beieinander.
  2. Seit 2001 Welterbe der UNESCO, und zwar gleich für drei Dinge: die Kunst, die lange Siedlungsgeschichte und die religiöse Bedeutung, die bis heute lebt.
  3. Die Spuren der Menschen reichen mindestens 100.000 Jahre zurück, an den Plätzen Divuyu und Nqoma wurde in der frühen Eisenzeit Metall verarbeitet.
  4. Für San und Hambukushu ist Tsodilo ein Ort der Ahnen, an dem bis heute gebetet wird. Du bist hier zu Gast an einem heiligen Ort.
  5. Viele der Führer kommen aus den Gemeinden rund um die Hügel und erzählen dir die Geschichten aus erster Hand.

Aus Reiseberichten und Foren

Unsere Geheimtipps für die Tsodilo Hills

  • Plan für die Anfahrt zwei Stunden je Richtung ein Auf der Karte sehen die 30 bis 40 Kilometer von der A35 nach wenig aus. Trotzdem brauchst du ein bis zwei Stunden je Richtung, denn ein großer Teil der Piste ist grobes Wellblech, der Rest tiefer Sand. Wer Tsodilo als kurzen Abstecher plant, verliert einen halben Tag.
  • Sei zur Öffnung da Vorbestellen musst du nichts, und genau das kann zum Problem werden. Manchmal ist nur ein einziger Führer im Dienst, dann wartest du ein bis zwei Stunden. Wer um acht am Eingang steht, ist in der Schlange vorn und läuft noch in der kühlen Morgenluft.
  • Für die Bilder der Weibliche Hügel, für den Blick der Männliche Der kurze Rhino Trail führt um den Weiblichen Hügel, und dort liegen die meisten Malereien, auch das Van-der-Post-Panel, die zwei Nashörner sowie Wal und Pinguin. Der Aufstieg auf den Männlichen Hügel ist der anstrengendste Weg und lohnt sich für die Aussicht, weniger für die Kunst. Wenn du nur einen Weg gehst, nimm den um den Weiblichen Hügel.
  • Frag vor der Abfahrt nach der Piste Die Zufahrt hat Lehmabschnitte, die nach kräftigem Regen selbst für Geländewagen kaum passierbar sind. Frag in Shakawe oder in deiner Unterkunft nach dem Zustand, bevor du losfährst. In der Trockenzeit ist die Strecke unbequem, aber gut machbar.
  • Nimm alles mit, was du brauchst Auf den Wegen gibt es nichts zu kaufen und kaum Schatten. Pack feste Schuhe, Hut, reichlich Wasser und etwas zu essen ein, auch für den kurzen Weg. Wer im Juli mittags losgeht, hat die heißesten Stunden auf offenem Fels.
Felsmalereien sind hier erhalten
4.500+
groß ist die Fläche, auf der sie liegen
10 km²
reichen die Spuren der Menschen mindestens zurück
100.000 Jahre
wurde Tsodilo Welterbe der UNESCO
2001

Wo genau

Lage und Anreise zu den Tsodilo Hills6

Die Tsodilo Hills liegen im äußersten Nordwesten Botswanas, nahe der Grenze zu Namibia und westlich des Okavango-Pfannenstiels, rund 40 Kilometer von Shakawe entfernt, außerhalb des Deltas.

So kommst du hin

  • A35 bei NcamasereOrt · 30 bis 40 km Sandpiste, 1 bis 2 Std.
  • ShakaweOrt · rund 40 km, zuerst Teer, dann Sandpiste
  • Tsodilo Hills AirstripAirstrip · direkt zwischen den Hügeln
    4,3 km

Kilometer in Luftlinie, die Fahrt ist länger.

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Wann hin

Beste Reisezeit für die Tsodilo Hills

Die Tsodilo Hills besuchst du am besten in der Trockenzeit von Mai bis September: Die Piste ist fest, die Tage sind klar, und morgens ist es angenehm kühl zum Laufen. Ab Oktober wird es auf dem offenen Fels sehr heiß, in der Regenzeit können Lehmabschnitte der Zufahrt unpassierbar werden. Selbst im Juli, August und September triffst du hier nur wenige andere Besucher.

Oktober möglich

Im Oktober kannst du die Tsodilo Hills gut besuchen, die besten Monate sind es aber nicht. Im Oktober ist an den Tsodilo Hills eher wenig los, gute Chancen also, dass du fast allein bist.

Tsodilo Heritage Walk Wanderung der Gemeinde

06:03Sonnenaufgang
18:34Sonnenuntergang
12,5 hTageslicht

Monatsmitte, Ortszeit (UTC+2).

Dein Tag an den Tsodilo Hills

Hell und dunkel im gewählten Monat, dazu ein Vorschlag für deinen Ablauf.

  • 06:00–08:00Von der A35 brauchst du ein bis zwei Stunden über die Sandpiste. Fahr früh los.
  • 08:00–08:30Um acht öffnet der Eingang. Anmelden, zahlen, Führer bekommen.
  • 08:30–11:00Rhino Trail um den Weiblichen Hügel, solange es noch kühl ist. Hier hängen die meisten Bilder.
  • 11:00–15:00Die Mittagshitze auf dem Fels ist hart. Raste im Schatten am Museum oder am Zeltplatz.
  • 15:00–17:00Die tief stehende Sonne bringt die Farben des Quarzits heraus. Um fünf schließt der Eingang.
  • 06:03Sonnenaufgang im Oktober
  • 18:34Sonnenuntergang

Zum Mitraten

Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?310

An den Wänden von Tsodilo gibt es zwei Farben, und sie verraten viel. Die roten Bilder schreibt man den Vorfahren der San zu, die weißen Bantu-sprachigen Gruppen, die später dazukamen. Rate erst, dann lies.

  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Das häufigste Tier an den Wänden von Tsodilo, gemalt in Rot.
  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Nach Einschätzung der Ausgräber ist sie nicht älter als etwa 400 n. Chr.
  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Das weiße Nashorn gab der Höhle ihren Namen. Es ist jünger als die roten Bilder neben ihm.
  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Pferde kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts in die Gegend. Älter können diese Bilder also nicht sein.
  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Auch Vieh taucht in Rot auf, an einem Felsdach am Weiblichen Hügel, das schon vor mindestens 30.000 Jahren genutzt wurde.
  • Rot oder Weiß: Wer hat hier gemalt?: Gitter, Linien und Formen in Rot, oft direkt neben den Tieren, etwa in der Rhino Cave.

100.000 Jahre in einem Blick

Wer an den Hügeln war23810

Tsodilo war nie lange leer. Jäger, Hirten, Schmiede und Reisende haben hier ihre Spuren hinterlassen, viele davon an den Wänden.

  1. vor 100.000 Jahren

    Die ersten Spuren

    So weit reicht die Archäologie an den Hügeln mindestens zurück. Seitdem kamen immer wieder Menschen, wenn auch nicht ohne Pause.

  2. vor 30.000 Jahren

    Ein Felsdach als Zuhause

    Das Depression Rock Shelter am Weiblichen Hügel wird bewohnt. In seinen Schichten liegen die ältesten bekannten Mongongo-Nussschalen aus einer Grabung.

  3. um 400 n. Chr.

    Die rote Giraffe

    Älter ist die rote Giraffe in der Rhino Cave nach Einschätzung der Ausgräber nicht. Die meisten Bilder sind gar nicht genau datiert.

  4. frühe Eisenzeit

    Schmiede in Divuyu und Nqoma

    An zwei Plätzen entstehen Armreife, Perlen, Ketten und Klingen aus Eisen und Kupfer. Schlacke zeigt, dass hier auch geschmolzen wurde.

  5. Mitte 19. Jh.

    Reiter an der Wand

    Mit den ersten Pferden in der Gegend tauchen weiße Reiterbilder auf. Es sind die jüngsten Malereien.

  6. 1927

    Nationaldenkmal

    Das Protektorat Betschuanaland, das heutige Botswana, erklärt Tsodilo zum Nationaldenkmal.

  7. 1958

    Die Welt erfährt davon

    Laurens van der Post beschreibt die Malereien in seinem Buch „The Lost World of the Kalahari“. Die bekannteste Wand trägt seither seinen Namen.

  8. 2001

    Welterbe

    Die UNESCO nimmt Tsodilo auf ihre Liste auf, für die Kunst, die Siedlungsgeschichte und die lebendige religiöse Bedeutung.

Am Lagerfeuer erzählt

Wo alles Leben begann

Die San der Gegend erzählen, dass an den Tsodilo Hills alles Leben seinen Anfang nahm. Die Rillen und Mulden im Fels und im Boden sind für sie die Spuren und Fußabdrücke der ersten Tiere auf dem Weg zum ersten Wasserloch. Eine Quelle am Weiblichen Hügel gilt bis heute als heilig: Man holt dort Wasser, reinigt sich, bittet um Heilung und Schutz.
Überlieferung der San, aufgezeichnet von Phillip Segadika (2006). Erzählung, kein historischer Bericht.

Verhalten vor Ort

Damit die Bilder bleiben2

Die Bilder haben Jahrhunderte überstanden, und Tsodilo ist für viele Menschen ein heiliger Ort. Ein paar einfache Regeln helfen, dass das so bleibt.

Nur mit Führer

Allein darfst du nicht auf die Wege. Die Führung ist Pflicht und der Grund, warum die Wände kaum beschmiert sind.

Nicht anfassen

Fett und Schweiß von Händen schaden den Farben. Schau mit den Augen, nicht mit den Fingern.

Heiliger Ort

An Quellen und Felsen wird bis heute gebetet. Sei leise und frag deinen Führer, wo du fotografieren darfst.

Müll wieder mitnehmen

Mehr Besucher bringen mehr Müll. Was du mitbringst, nimmst du wieder mit.

Ehrlich gesagt

Passen die Tsodilo Hills zu dir?

Ja, wenn …

  • Du willst in Botswana nicht nur Tiere sehen, sondern auch die Menschen verstehen, die hier seit Jahrtausenden leben.
  • Felsmalereien, Geschichten und ein Führer, der sie erzählt, sind dir einen ganzen Tag wert.
  • Du fährst sicher Sandpiste oder hast einen Fahrer, der es tut.
  • Du bist ohnehin am Okavango-Pfannenstiel oder auf dem Weg nach Namibia.

Eher nicht, wenn …

  • Du hast nur wenige Tage und willst sie ganz im Delta verbringen.
  • Hitze, Sand und Fußwege ohne Schatten sind nichts für dich.
  • Du hast kein Allradfahrzeug und keinen Fahrer.

Inspiration

Die Tsodilo Hills in Bildern

Bunte Quarzitwände, rote Tiere und ein Pinguin, der in der Kalahari nichts zu suchen hat: So sehen die Tsodilo Hills aus.

Gut zu wissen

Hilfreiche Infos zu den Tsodilo Hills

Tsodilo liegt abgelegen. Was du vorher wissen solltest, damit der Tag an den Hügeln gelingt.

Anfahrt

Von der A35 bei Ncamasere sind es 30 bis 40 Kilometer Sandpiste, ein bis zwei Stunden je Richtung. Ohne Allrad geht es nicht.

Bezahlen

Eintritt, Führer und Zeltplatz zahlst du am Eingang. Nimm Bargeld in Pula mit.

Übernachten

Zwischen den Hügeln liegt ein Zeltplatz der Gemeinde mit Toiletten und Dusche, aber ohne Strom. Alternativ übernachtest du am Okavango bei Shakawe.

Mitnehmen

Feste Schuhe, Hut, Sonnencreme, viel Wasser und etwas zu essen. Auf den Wegen gibt es nichts davon.

Du fragst

Fragen und Antworten zu den Tsodilo Hills

Kann ich die Felsmalereien an den Tsodilo Hills ohne Führer ansehen?

Nein, die Führung ist Pflicht. Du meldest dich am Eingang an und bekommst dort deinen Führer. Genau deshalb sind die Wände bis heute kaum beschmiert.

Was kostet ein Besuch der Tsodilo Hills?

Rechne mit rund 3 € Eintritt für Erwachsene und rund 8 € für den Führer auf dem kurzen Rhino Trail, längere Wege kosten mehr. Zelten kostet rund 9 € pro Person und Nacht. Zahlen kannst du am Eingang, nimm Bargeld mit.

Sind die Tsodilo Hills der höchste Punkt Botswanas?

Nein, auch wenn man es oft liest. Der Männliche Hügel erreicht rund 1.400 Meter über dem Meer. Die höchsten Erhebungen des Landes liegen im Südosten bei Otse, mit knapp 1.500 Metern.

Brauche ich für die Tsodilo Hills ein Allradfahrzeug?

Ja. Die letzten 30 bis 40 Kilometer sind Sand und Wellblech, und auch zwischen den Hügeln fährst du auf Sand. Nach starkem Regen wird die Zufahrt selbst mit Allrad schwierig.

Wie alt sind die Felsmalereien an den Tsodilo Hills?

Genau datiert sind nur wenige. Die Bilder stammen aus einem langen Zeitraum, von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert. Die jüngsten zeigen Reiter auf Pferden und können nicht älter sein als die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Kann man an den Tsodilo Hills übernachten?

Ja, zwischen den Hügeln gibt es einen Zeltplatz der Gemeinde mit Toiletten und Dusche, aber ohne Strom. Wer lieber ein festes Dach hat, übernachtet am Okavango rund um Shakawe und fährt als Tagesausflug hin.