Du rollst über den Kraterboden, rundherum steigen die Wände 600 Meter in die Höhe, und vor dir liegt eine helle, flache Wasserfläche. Am Rand leuchtet ein rosa Band, das sich beim Näherkommen in Tausende einzelne Vögel auflöst. Das ist der Lake Magadi, der große Sodasee im Ngorongoro-Krater, auf rund 1.730 Metern Höhe im Westen des Kraterbodens.
Süß ist sein Wasser nicht. Der Lake Magadi ist ein flacher Sodasee, stark alkalisch, und sein Name kommt aus der Sprache der Massai: Magadi heißt salzig. Wasser bekommt er vom Munge, der aus den Quellen des Olmoti-Kraters im Norden kommt, und von den Seneto-Quellen am Westrand. In nassen Zeiten läuft auch der Lerai-Bach aus dem Süden hinein.
Wie groß der See gerade ist, entscheidet der Regen der letzten Monate. 1964 bedeckte er 18 Quadratkilometer, 1998 stand das Wasser so hoch, dass die Halbinsel Mti Moja zur Insel wurde, und in trockenen Jahren fällt er ganz trocken. Mit dem Wasser kommen und gehen die Flamingos. Meist sind es Zwergflamingos, die im flachen Wasser Algen filtern, dazwischen stehen die größeren Rosaflamingos. Schrumpft der See stark, ziehen die Schwärme zu anderen Sodaseen im Grabenbruch weiter.
Am Ufer bleibt es trotzdem selten leer. Gnus und Zebras weiden auf den Flächen ringsum, Kuhantilopen stehen am Salzrand, und der Afrikanische Goldwolf schnürt die Uferlinie ab, immer auf der Suche nach einem unaufmerksamen Vogel. Aussteigen darfst du hier nicht. Nimm ein Fernglas mit, denn die Vögel stehen oft weit draußen.