Es ist kurz nach Mittag, und an der Lagune ist es still. Dann knackt es im Wald hinter dir, und die erste Elefantenkuh tritt aus den Bäumen, ein Kalb dicht an ihrem Bein. Minuten später stehen zwei, drei Herden im flachen Wasser, prusten, spritzen sich nass und wälzen sich im Schlamm. Das ist die Horseshoe, und sie liegt in der Kwando Core Area, der größten der drei Kernzonen des Bwabwata-Nationalparks: rund 1.345 Quadratkilometer am Westufer des Kwando, ganz im Osten des Caprivi-Streifens.
Die Horseshoe ist ein Altarm des Kwando, eine Flussschleife in Form eines Hufeisens, die der Fluss irgendwann abgeschnitten hat. Solche Altarme, Seitenkanäle und Inseln ziehen sich am ganzen Ufer entlang. Auf den Auen dazwischen grasen Litschi-Wasserböcke, im Schilf versteckt sich die scheue Sitatunga, und im Wasser liegen Flusspferde. Hinter dem Ufer beginnt eine andere Welt: Kalahari-Trockenwald auf alten, bewachsenen Dünen, dazwischen flache Trockentäler, die hier Omuramba heißen. Dort leben Rappen- und Pferdeantilopen, und mit viel Glück kreuzt ein Rudel Afrikanischer Wildhunde die Piste. Der Bwabwata ist eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in Namibia.
In der Trockenzeit trocknen die Wasserstellen im Hinterland aus, und die Elefanten ziehen an den Fluss. Dann wird die Horseshoe am Nachmittag zum vollsten Ort weit und breit, für Tiere wie für Autos. Der Rest der Kernzone bleibt dabei erstaunlich leer. Wer Ruhe sucht, fährt am Morgen zu den Auen südlich der Einfahrt und kommt erst später an die Lagune.
Die Zufahrt liegt an der B8, kurz westlich der Brücke über den Kwando, rund 8 Kilometer von Kongola. Am Parkbüro löst du die Genehmigung, dann geht es auf tiefen Sandpisten nach Süden. Ohne Allrad kommst du nicht weit. Im Park gibt es keinen Laden und keine Tankstelle. Übernachten kannst du auf dem Campingplatz Nambwa an der Long Lagoon mit nur vier Stellplätzen oder in einer der Lodges am Fluss. Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang darfst du nicht fahren.